Wie ein Zehnjähriger und eine Seifenblasenmaschine meinen Masterplan schrieben
Hallo Welt. Ich trage drinnen Sonnenbrille, weil erfolgreiche Leute das angeblich so machen. Mit dem Erfolg is' noch wat hin.
Jahrelang habe ich geschrieben und alles brav für mich behalten, weil ich nicht gut genug war, dachte ich zumindest. Die Angst, nicht zu genügen, saß tief.
Dann kam ein schwerer Verlust und stellte alles auf den Kopf. Komisch, was so etwas mit einem macht. Plötzlich saß ich vor dem Laptop, den Finger über der Senden-Taste, ohne das vertraute Ziehen im Bauch, das mich sonst jedes Mal zurückgehalten hatte. Also teilte ich meine Texte zum ersten Mal mit Freunden und wurde mit jedem Mal mutiger.
Im Sommer 2025 habe ich dann ganz spontan bei einer Pitch-Aktion mitgemacht. Dabei ist »Morbus Vollidioti« entstanden. Prompt landete die Geschichte in der engeren Auswahl und bescherte mir die schönste Absage meines Lebens. »Hey Merah«, hieß es da, »wir müssen dir wegen des Krankenhaus-Settings leider absagen, aber wir haben noch nie bei einer Leseprobe so gelacht.« Die Verlagschefin höchstpersönlich lud mich ein, neue Projekte direkt bei ihr einzureichen. Habe ich natürlich nicht gemacht. Wäre ja viel zu einfach gewesen. Tja.
Stattdessen dachte ich mir, ich übe lieber noch ein bisschen. Also schickte ich meine RomCom beim nächsten Schreibwettbewerb eines Verlags ins Rennen und schaffte es tatsächlich auf die Longlist, unter die besten fünfundzwanzig von zweitausend Einsendungen.
Ich dachte, jetzt geht die Tür auf. Sie blieb trotzdem zu. Et is, wie et is.
Eine Absage trotz Longlist. Erstmal saß ich grübelnd da, so weit gekommen und trotzdem mies drauf. Ich zweifelte an allem, an meiner Geschichte, an meinen Figuren, an jedem Satz, den ich je geschrieben hatte.
Als ich wieder klar denken konnte, kam mir ein ganz mutiger Gedanke. An meinem Schreiben kann es ja wohl kaum liegen. Bestimmt ist die Formatierung der Normseite schuld. Ja, ne, is klar.
Diese ominöse, korrekt formatierte Seite, von der im Internet jeder etwas anderes behauptet. Der eine schwört auf Courier New, der nächste hält genau das für vorgestrig. Und einer misst in einem vierzehn Minuten langen Video die Seitenränder auf den Millimeter aus. Ganz sicher war das der Grund für die Absage.
Also habe ich das halbe Internet nach der einen, perfekten Normseite durchforstet und sie schließlich auf www.literaturcafe.de gefunden. Fertig formatiert, einfach so zum Mitnehmen. Endlich. Und gleich daneben lag eine ganze Liste von Schreibwettbewerben. Genau da kippte der Frust. Noch am selben Abend suchte ich mir das erste Thema aus und legte los.
Immer wenn ich an mir zweifelte oder in meinen Romanen festhing, habe ich mir ein Wettbewerbsthema geschnappt und eine Kurzgeschichte geschrieben. Drei davon sind gerade noch im Rennen. Mehr verrate ich, sobald ich darf.
Erfolgreicher war ich damit zwar nicht, aber erfüllter und längst nicht mehr so zerbrochen. Mit genau diesem Gefühl saß ich letzte Woche bei dreißig Grad mit dem Laptop im Garten und lachte über eine Szene, die ich gerade geschrieben hatte. Neben mir stand ein schöner schwarzer Kaffee. »Mein Gott«, grölte ich, »ich verstehe gar nicht, warum die Leute Aengus nicht mögen.« Aengus, achttausend Jahre alter sarkastischer Liebesgott und eine meiner Hauptfiguren, wird von den Verlagen bisher beharrlich verschmäht.
Mein zehnjähriger Neffe, gleichzeitig mein allergrößter Fan, hatte die ultimative Erklärung parat. »Tante, an deinen Geschichten liegt das nicht«, sagte er und rieb sich die Nase. »Es liegt an deiner Reichweite. Du hast ja gar keine Follower!«
Aha, Reichweite bei TikTok also, dieser ganze Internetkram. Auf dem Gebiet bin ich eine komplette Niete. Das fand mein Neffe auch und stellte nüchtern fest, dass ich vor der Kamera viel zu steif bin und mich deshalb lieber auf Instagram konzentrieren sollte. »Tante, es gibt ja nicht bloß BookTok. Es gibt auch Bookstagram, weißt du?!«
Bookstagram! Ich glaub, et hackt.
Ich hatte gerade die Seifenblasenmaschine angeschmissen, einfach, weil wir Seifenblasen großartig finden, die ganze Rasselbande und ich. Während die Dinger mir im Gesicht zerplatzten, hielt mir dieser kleine Mensch einen so klugen Vortrag, dass mir kurz die Spucke wegblieb. So wurde der Masterplan geboren, zwischen Seifenblasen, von einem Zehnjährigen, der mehr Strategie im kleinen Finger hat als ich in beiden Händen.
Und jetzt bin ich hier, mit Instagram inklusive Vier-Wochen-Plan, einer Website und dem festen Vorsatz, dich mindestens alle zwei Wochen mit auf diesen Weg zu nehmen. Erfolg habe ich zwar immer noch keinen, dafür aber einen ganz persönlichen Autorenstempel. Masterplan, Punkt drei. Und wenn du lieb bist, kriegste sogar einen auf die Backe.
Ob aus dem großen Masterplan etwas wird, weiß ich noch nicht. Ehrlich und chaotisch wird der Weg dahin aber auf jeden Fall. Genau davon erzähle ich dir hier.
Schön, dass du dabei bist.